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Historisches

Das Gasthaus „Zum Roten Ochsen“ ist eines der ältesten und traditionsreichsten Studentenlokale in Heidelberg. 1703 erbaut, ist der Rote Ochsen in Heidelberg seit über 185 Jahren ununterbrochen im Besitz der Familie Spengel. Der Gasthof blickt auf eine lange Historie mit vielen namhaften Gästen zurück, die hier festgehalten ist.

Hauptstraße 218, 19. Jhd.

WIE ALLES BEGANN

1839

Der Gasthof „Zum Roten Ochsen“ (erbaut 1703) ist nunmehr seit über einhundertachtzig Jahren im Besitz der Familie Spengel. Das Haus Spengel wurde am 7. September 1839 von Albrecht Spengel, seines Zeichens Metzger und Wirt, zum Preis von 11.300 Gulden käuflich erworben. Der „Rote Ochsen“ spiegelt wohl wie kein anderes Gasthaus Geschichte, Kultur und Wirtschaftsleben der Stadt Heidelberg wider.

 

Von Albrecht Spengel wurde das Haus sicher durch die unruhigen Zeiten der 1848-iger Revolution bis zum Jahre 1865 geführt. Bereits in jenen Tagen wurden von Albrecht Spengel zur Erleichterung der täglichen Abrechnungen Biermünzen eingeführt, von denen zur heutigen Zeit vier verschiedene Exemplare bekannt sind. Die Biermünzen wurden im „Roten Ochsen“ bis 1965 benutzt.

Chronik

DIE 2. GENERATION

Papa Spengel

Albrecht Spengels Sohn Karl verdankt der „Rote Ochsen“ seinen bis in die heutige Zeit reichenden Bekanntheitsgrad. Die ehrende Anrede „Papa Spengel“ erwarb er sich bei vielen deutschen und auch ausländischen Studenten wegen seines großen Verständnisses für die Freuden und Nöte „seiner Buben“. Er war es auch, der mehrfach in der Neuen Zürcher Zeitung bekannt gab, daß er wieder mal in der Schweiz sei und alle seine Schweizer Freunde zu einem Umtrunk lade. Der berühmte Ochsenwirt – im Kurpfälzer Jahrbuch von 1926 findet man ihn in der Galerie der originellen Heidelberger wieder – besaß auch Talent zum Dichten:

Karl Spengel
Logo Zum Roten Ochsen

Im roten Ochsen zu Heidelberg sagt Papa Spengel Dir:
„Mein Sohn, mehr als die Philosophie gibt Dir bestimmt mein Bier.“
Im roten Ochsen zu Heidelberg da geht es allen gut.
Die Medizin hat’s schon gemerkt und macht aus Bier dort Blut.
Im roten Ochsen zu Heidelberg trinkt auch der Theolog,
Weil er schon oft den Weisheitsschluß dort aus dem Bierdunst sog.
Im roten Ochsen zu Heidelberg ist’s Bier bestimmt nicht schlecht,
Drum säuft sich der Jurist dort voll bis er vergißt sein Recht.
Der rote Ochsen zu Heidelberg und dann der Schurmanbau;
Zum zweiten kommt man leider nicht weil man im ersten blau.

Gästebuch - Zum Roten Ochsen

BEGEGNUNG MIT BISMARCK

1892

Unvergeßlich war für „Papa Spengel“ seine Begegnung mit Bismarck im Jahr 1892 im Kissingen. Nachdem ihm der berühmte Kanzler seine Rechte zum Gruß gereicht hatte, eilte „Papa Spengel“ von Lokal zu Lokal und hielt den Spießern seine Hand mit den Worten unter die Nase: „Acht Tag‘ wäsch ich mir die Hand nimmer, die hat mir heut‘ der Bismarck gewe!“- Noch heute ziert in Erinnerung an diese Stunde ein Brief Bismarcks an „Papa Spengel“ die Räume des „Roten Ochsen“.

Neben den Trinkhörnern, den originellen Bierkrügen und den unzähligen anderen Trophäen geben die vielfältigen Bilder und Lithographien an den Wänden ein lebhaftes Abbild jener Zeit preis. Zusammen mit den zahlreichen Gästebüchern jener Tage, mittlerweile sind es mehr als 25, lassen sich bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs die Tage und Nächte im „Roten Ochsen“ nahezu chronologisch nachvollziehen.

UNZERTRENNLICH

Zum Roten Ochsen und die
Studenten

Es waren vor allem die Studenten der „Freien Schweizer Vereinigung“, der Burschenschaft „Frankonia“, der Verbindung „Rupertia“ und der „Hamburger Gesellschaft“, die im „Roten Ochsen“ gastierten oder wie die Hamburger und Schweizer Studenten dort sogar ihr ständiges Heim hatten. Unter anderem verbrachten der berühmte Hamburger Neurologe Max Nonne, der auch mehrmals an das Krankenbett Lenins gerufen wurde sowie der spätere Schwezier Bundesrat Joseph Motta viele Stunden ihrer Heidelberger Studienzeit im „Roten Ochsen“. Ein Ausspruch eines Studenten gibt die Atmosphäre jener Tage wider: „Willst Du vom Ochsen Dich erholen, mach Dich zum Ochsen auf die Sohlen!“

 

Noch heute kehren zahlreiche „alte Herren“ und deren Nachfahren in den „Roten Ochsen“ ein, um über die alten Zeiten zu plaudern, beziehungsweise um sich einen Eindruck über die Romantik des Studentenlebens in Alt-Heidelberg zu verschaffen.

Zum Roten Ochsen

FRIEDRICH SPENGEL

1907

Friedrich Spengel
Fritz Spengel

Am 1. April 1907 kam Friedrich Spengel auf den „Roten Ochsen“. Er stand über 65 Jahre im Gaststättenberuf. Nach seiner Lehrzeit im „Viktoria-Hotel“ zu Wiesbaden sammelte er in über vier Jahren Erfahrung im Ausland. Seine Wege führten ihn dabei vor allem in die Schweiz, nach Frankreich und nach England, worauf er immer voller Stolz hingewiesen hat. Friedrich Spengel führte den „Roten Ochsen“ durch die von vielen Krisen heimgesuchten 30-iger Jahre und verstand es darüber hinaus, „den Ruf seines gepflegten Hauses in Zusammenarbeit mit seiner ebenfalls durchgebildeten Familie weiter auszubauen“.

 

Friedrich Spengels Traditionsbewußtsein ist es zu verdanken, daß viele wichtig Dokumente und nette Anekdoten bis in die heutige Zeit erhalten blieben. Die Zeit bis zum Ende der Zweiten Weltkriegs war auch für den „Roten Ochsen“ eine Zeit der Entbehrungen. Schmerzlich wog der Verlust des einzigen Sohnes Fritz für dessen Eltern Friedrich und Auguste aber auch insbesondere für seine junge Ehefrau Gertrud. Einzig der Gedanke, das anvertraute Geschäft eines Tages ihrem Sohn Werner zu übergeben, ließ sie damals im „Ochsen“ verweilen.

GERTRUD SPENGEL

Kriegs- und Nachkriegsjahre

Dank ihrem aufopferungsvollen Engagement und dank der landwirtschaftlichen Erzeugnisse ihrer Wieslocher Verwandtschaft konnten die Gäste jener Tage sich doch an gefüllten Gläsern und sättigenden Portionen erfreuen. Auch nach Kriegsende stand Gertrud Frankenberger, in zweiter Ehe mit Kurt Frankenberger verheiratet, für viele Jahre gemeinsam mit ihrem Mann dem „Ochsen“ vor.

Im Zuge der Währungsreform 1948 und des anschließenden „Wirtschafts-Wunders“, brach man auch im „Roten Ochsen“ zu neuen Ufern auf. Die Pforten Heidelbergs begannen sich in Richtung der großen, weiten Welt zu öffnen, so daß sich rund um die mit Schnitzereien verzierten Tische im „Roten Ochsen“ ein internationales Sprachengewirr ausbreitete. Zusammen mit den emsigen Bedienungen Ella, Emma, Ida und Lina, die über 50 Jahre zum festen Inventar gehörten, konnten die Spengels viele berühmte Persönlichkeiten der Wissenschaft, Kunst und Politik im „Roten Ochsen“ begrüßen. Die Gästebücher lesen sich wie ein „who is who?“ damaliger Zeit.

Gertrud Spengel
Werner Spengel
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WERNER UND UTE SPENGEL

1965

Im Jahre 1965 übernahm Werner Spengel zusammen mit seiner Frau Ute den „Roten Ochsen“. Werner Spengels gastronomischer Weitblick hat entscheidend dazu beigetragen, den guten Ruf des „Roten Ochsen“ bis weit über die Grenzen Deutschlands hinweg zu festigen. Seiner Heimatstadt Heidelberg fühlte er sich eng verbunden und stand ihr bei zahlreichen Aktivitäten tatkräftig zur Seite, unter anderem bei der Präsentation der „Heidelberger Studentenliebe“ und dem „Heidelberger Herbst“ mit dem „Ochs am Spieß“. Der von Werner Spengel geprägte Spruch „der Ochsen ist ein ganz besonderes Lokal“ läßt den Stolz, dem Familienunternehmen „Roter Ochsen“ vorzustehen, nicht verkennen.

Nach dem Tod ihres Ehemanns schlüpfte Ute Spengel in die Rolle der „Wirtin“. Über 60 Jahre führte und prägte sie den „Roten Ochsen“ und verstarb im Sommer 2022. Vorher gab sie den Roten Ochsen an die nächste Generation, den gemeinsamen Sohn Philipp Spengel, weiter.  

Aktuelle Generation

Die Aktuelle Generation

DIE 6. GENERATION

Philipp und Anne 
Spengel

Seit über 185 Jahren ist der Rote Ochse nun ununterbrochen in Besitz der Familie Spengel. In der mittlerweile 6. Generation führen nun Philipp und Anne Spengel das historische Studentenlokal in Herzen der Heidelberger Altstadt. Neben dem Abschluss als Hotelfachwirt bzw. Hotelfachwirtin an der bekannten Heidelberger Hotelfachschule, blicken beide auf einige namhafte Stationen in ihrem beruflichen Werdegang zurück.

Familie Spengel 2014

Bild aus dem Jahr 2014​

WIR VERSTEHEN UNSER HANDWERK

Unsere beruflichen Stationen

Anne Spengel

Philipp Spengel

  • Ausbildung: Europäischer Hof Heidelberg

  • Bristol Hotel Kempinksi, Berlin 

  • Bayerischer Hof, München 

  • Domhotel, Köln

  • Mövenpick Marché, Mannheim

  • Besuch der Hotelfachschule Heidelberg
    Abschluss als Hotelbetriebswirt

Berühmte Gäste

Berühmte Gäste

Zum Roten Ochsen

ÜBER 180 JAHRE

Prominente Gäste im
Roten Ochsen

In den nun 185 Jahren Familienbesitz des Roten Ochsen, durften wir einige prominente Gäste willkommen heißen. Gerade durch die Erwähnung in vielen nationalen und internationalen Büchern sowie Reiseführern und teilweise auch historischen Werken, ist der Rote Ochse weit über die Grenzen Heidelbergs bekannt. So zählen nicht nur die Heidelberger zu unseren Gästen, sondern auch Touristen und „Spurensucher“, die auf den historischen Pfaden wandeln. Alles in allem, lagern in den Archiven mittlerweile über 30 Gästebücher, in denen sich nationale und internationale Gäste eingetragen haben.

Unter anderen waren dies...

Theodor Heuss, Hermann Löns, Bischof Robert Zollitsch, Mark Twain, John Wayne, Marylin Monroe, Mamie Eisenhower, John Forster Dulles, Rudolf Carraciola, Olivia de Havilland, Vico Torriani, Kardinal Spellmann, Nelson Piquet, Jean Alesi, Dieter Kürten, Handballweltmeister-Mannschaft 1978, Heinrich George, Berta Drews, Götz George, Peter Frankenfeld, Lonny Kellner, Kurt Masur, Karel Gott, Bernhard Grzymek, Franka Potente, Thomas Fritsch, Heiko Deutschmann, Dieter Pfaff, H-J Bäumler, Marika Kilius, Joachim Fuchsberger, Günter Wewel, Hansi Vogt, Lea Linster, Martin Wuttke…

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